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6. unterkagerer sunnseitn - Gespräche 2009

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  • Mag. Michaela Bodner, Fischotterexpertin:
Mag. Michaela Bodner

Kurzstatement:
Bäche und Flüsse sind Ökosysteme, die in erster Linie durch menschliche Bewirtschaftung beeinflusst werden (z.B. Land- und Forstwirtschaft, Wasserbau, auch die Art der fischereilichen Bewirtschaftung selbst). Fischfresser wie zum Beispiel der Fischotter sind Teil des Ökosystems und waren es immer, sie suchen sich dort ihren Platz selbst und ohne menschliches Zutun. Sie sind Teil der Natur und dürfen das auch bleiben.

Link: www.unterwasserreich.at


  • Joachim Eckl, Flussliebhaber und Künstler:
Joachim Eckl

Statement:
" Einen Fluss kann nur die Gemeinschaft der Menschen, die an und mit ihm lebt wirklich erfassen. Flüsse sind lebendige Geschöpfe. Sie verändern sich über Jahrtausende und zeigen dabei ihr Wesen. Wenn nun der Mensch in das Wesentliche dieser Naturgegebenheit eingreift, sollte er sich zuvor "bilden", indem er sich über sein Motiv klar wird. Er muss die Erfahrungen mit dem Fluss nutzen und sich ein Bild davon macht was er mit seinem Eingreifen bewirken und erreichen will und kann. Flüsse können auch ohne Menschen existieren, aber Menschen können nicht ohne Flüsse leben."

Biografie:
Joachim Eckl: 1962 in Haslach an der Mühl geboren. Studierte Psychologie in Österreich und New York. Hat über 20 Jahre in unterschiedlichen Rollen im Kunstbetrieb gearbeitet. Parallel zur Verwirklichung von mehr als 100 seiner eigenen Projekte war er bei der Realisierung von monumentalen Projekten von Tony Cragg, Jeff Koons, Christo und Jean Claude, Klaus Rinke und anderen engagiert. Er betreibt seit 10 Jahren seine eigene Kunst-Station an der großen Mühl, in Neufelden. Seine Arbeit basiert auf einem erweiterten Verständnis von Kunst, das wesentlich von Joseph Beuys „Sozialer Skulptur“ inspiriert ist. Eckl erzeugt durch das Kreieren gemeinsamer Erfahrungen Impulse für „soziale Skulpturen“. Er versteht sich selbst als „Sozial-Ingenieur“. Wasser spielt eine wichtige Rolle in seiner Arbeit. Er versteht und nützt es als Grundelement der menschlichen Interaktion. Aktuell bringt er mit seinem „River-to-River“-Projekt Flüsse und Menschen von unterschiedlichen Erdteilen zusammen und erzeugt so soziale Wärme. 2008/2009 hat er Projekte in Österreich, Tschechien, Deutschland, England, Ägypten, Sambia und Zimbabwe realisiert.

Link: www.heimart.at

  • DI Andreas Gschwandtner, Ziviltechniker
Andreas Gschwandtner

Statement:
Wer fischt unsere Bäche leer? Eine Frage, die zu einer weiteren Frage anregt: „Wieso gab es früher mehr Fische und vor allem andere Artenzusammensetzungen? Was hat sich verändert und vor allem was bedeutet früher. Bekanntlich gab es während der letzten großen Eiszeit in unserer Gegend sicher kein flüssiges Wasser und somit keine Bäche. Anschließend an diese Periode muss man wohl dem geringen Nährstoffangebot entsprechend ganz andere Arten, wie sie heute vorkommen , vermuten. Erst ab dem Bestand der großen durchgehenden Wälder könnte man sich Arten, wie sie auch heute noch zu finden sind, vorstellen. Die Besiedlung der Gebiete brachte örtlich begrenzt hohe Konzentrationen an Nährstoffen in die Flüsse durch Bewirtschaftung, denkt man etwa an Abwässer nach Schlachtungen, Käseproduktion, etc. Der nächste Einbruch war sicher die Verunreinigung durch ungeklärte und zum Teil hoch toxische industrielle Abwässer ( z.B. durch die Textilindustrie). Heute erleben wir wieder einen Umbruch: Kläranlagen, intensive Landwirtschaft, Fischerei,…. 

Kurzbiografie:
geb. 1963
Studium der technischen Chemie, Studienzweig Lebensmittelchemie und Biotechnologie, seit  20 Jahren im bereich Umweltanalytik tätig. Seit mehr als 11 Jahren selbständiger Ziviltechniker mit Kanzleisitz in Haslach/ Mühl. Umweltuntersuchungen und Gutachten im Bereich: Boden, Wasser, Luft. Trinkwassergutachter. Eingetragener Mediator

  • DI Clemens Gumpinger, Gewässerökologe
Clemens Gumpinger

Kurzstatement:
Die unzähligen Nutzungsansprüche unserer modernen Gesellschaft an die Gewässer und deren Auswirkungen sind in erster Linie für unsere geringen Fischbestände verantwortlich. Natürlich können fischfressende Raubtiere, ebenso wie die Angler – massive Auswirkungen auf die heutigen Fischbestände haben – man muss aber immer in Erinnerung behalten, dass diese Fischbestände nur noch einen Bruchteil der ursprünglich vorhandenen Größe haben. Und stark geschädigte Populationen können gewisse Eingriffe nur mehr in einem sehr geringen Ausmaß oder gar nicht mehr kompensieren. Dann reichen einige wenige Angler oder Fischotter, um die Population auszulöschen.

Biografie:
Jahrgang 1965
studierte ein Studium Irregulare "angewandte Hydrobiologie und Gewässerkunde" an der Universität für Bodenkultur Wien und Universität Wien. Arbeitserfahrungen sammelte er an mehreren privaten Instituten und Büros in Österreich und Deutschland. Seit 1999 leitet er das technische Büro für Gewässerökologie.

Link: http://www.blattfisch.at/

  • Walter Koller, Geschäftsführer Fischereiverein Rohrbach
Walter Koller

Kurzstatement:
Durch die Spitzenprädatoren wie Fischmarder, Kormoran, Graureiher und Gänsesäger in den Bächen des Mühlviertels, ist der Bestand der vorkommenden Fischarten sehr stark gefährdet. Wie Untersuchungen z.B. DI Gumpinger an der Kleinen Mühl im Bereich von Peilstein belegen, kommt die Bachforelle nicht mehr vor. Andere Fischarten sind ausgestorben. Der Naturschutz darf nicht an der Wasseroberfläche aufhören. Die wirtschaftlichen Schäden müssen irgendwie berücksichtigt werden (keine Verpachtung von Fischereirechten mehr möglich

Link: http://www.fr-rohrbach.at/

  • Mag. Daniela Csar, Gewässerökologin
Daniela Csar

Kurzstatement:
Fließgewässer zählen weltweit zu den vielfältigsten und zugleich am intensivsten durch den Menschen genutzten Ökosystemen. Im Gegensatz zu der in den letzten Jahrzehnten sehr erfolgreich verbesserten Gewässergüte zahlreicher Gewässer, weist der Großteil der heimischen Flüsse aktuell stark beeinträchtigte Lebensraumverhältnisse auf. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden die massive Umgestaltung und die Zerstückelung der Fließgewässer sowie die massiven Nähr- und Feinstoffeinträge als Hauptgründe für den dramatischen Rückgang der Fischbestände erkannt. Dies spiegelt sich auch darin wieder, dass heute 75% der österreichischen Flussfischarten als gefährdet gelten.

Biografie:
1978 im oberen Mühlviertel geboren, studierte sie an der Universität Salzburg Biologie mit dem Studienzweig Ökologie. ihre Diplomarbeit verfasste sie in Zusammenarbeit mit dem technischen Büro für Gewässerökologie über den Themenbereich Großmuscheln. nach einem längeren Auslandsaufenthalt lebt sie wieder in Oberösterreich. Daniela bringt langjährige Erfahrung in der Organisation und Koordination von Veranstaltungen (u. a. Naturschutzveranstaltungen) mit. biologische Arbeitserfahrung sammelte sie an wissenschaftlichen Instituten und in privaten Büros.
zusätzliche Qualifikationen:
Elektrofischerei-Ausbildung, Schiffsführerpatent, Reinwasser-Probennahme-Ausbildung, Padi-Tauchausbildung (open water diver)

Link: http://www.blattfisch.at/

  • Prof. Dr. Helgard Reichholf-Riehm, Biologien (Bayern)
Helgard Reichholf-Riehm

Statement:
Seit Jahrhunderten greift der Mensch auf unsere Fließgewässer in vielfältiger Weise ein, meist zu seinem Nutzen und zum Schaden der freilebenden Tierwelt. Aktuelle und zukünftige Entwicklungen  unserer heimischen Gewässer sind aufgrund unseres Kenntnisstandes vorherzusagen.
Die Frage ist: Ist es für die heimischen Fische  5 vor 12 oder 2 nach 12?
Die Veranstaltung sucht dieser Frage nachzugehen.
Und vielleicht können Missverständnisse zwischen Naturnutzern und Naturschützern beseitigt werden.

Biografie:
Studium der Biologie mit Schwerpunkt Ökologie und Verhaltensforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 1971 Ökosystemfoschung Innstauseen. Auf zahlreichen Reisen lernte Frau Reichholf-Riehm unterschiedlichste Gewässer-Ökosysteme kennen, u.a. den Amazonas, das Pantanal und den Okawango.

  • DI Clemens Gumpinger, Gewässerökologe

Überlegungen  zu Veranstaltung (Langfassung)
Ich denke, es stellt sich weniger die Frage, wer unsere Bäche leer fischt, als wir die Frage stellen sollten, weshalb unsere Gewässer so geringe Fischbestände aufweisen. Ich bin der Überzeugung, dass die menschlichen und tierischen Fischkonsumenten zusammen den relativ geringsten Schaden an unseren Fischbeständen anrichten.
Vielmehr sind es die unzähligen Nutzungsansprüche unserer modernen Gesellschaft an die Gewässer sowie deren Auswirkungen: Kraftwerke, Gewässerverbauungen, Abwassereinleitungen, Schadstoffe aus Straßenabwässern, „versteckte“ chemische Verbindungen aus dem täglichen Gebrauch, die unsere Kläranlagen weitgehend ungehindert passieren (Koffein, Hormonanaloga, etc.), landwirtschaftliche Intensivnutzung mit den dazugehörigen Dünge- und Drainagesystemen, neue Wasser“sport“arten, die Klimaänderung. Nicht zuletzt haben auch fischereiliche Bewirtschaftungsmaßnahmen – Besatz und Entnahme – unter gewissen ungünstigen Umständen deutliche Änderungen der Fischbestände zur Folge.
Natürlich können fischfressende Raubtiere, ebenso wie die Angler – massive Auswirkungen auf die heutigen Fischbestände haben – man muss aber immer in Erinnerung behalten, dass diese Fischbestände nur noch einen Bruchteil der ursprünglich vorhandenen Größe haben. Und stark geschädigte Populationen haben eben nur noch ein sehr geringes Resilienzvermögen – können also gewisse Eingriffe nur mehr in einem sehr geringen Ausmaß oder gar nicht mehr kompensieren. Dann reichen einige wenige Angler oder Fischotter, um die Population auszulöschen.
Mit der Reduzierung fischfressender Raubtiere werden wir die Hauptprobleme unserer Fließgewässer nicht in den Griff bekommen – das ist Symptombekämpfung. Wiewohl wir letztendlich in unserer völlig vom Menschen überprägten und dominierten Kulturlandschaft realistischer Weise die Wildtierpopulationen – auch die des Fischotters – managen werden müssen.
An der Wurzel bekommen wir das Übel aber nur zu fassen, wenn wir Menschen uns wieder als Teil der Natur begreifen, die nicht bekämpft oder bezwungen werden muss, sondern mit der wir in einem behutsamen Einvernehmen stehen müssen, um sie nicht nur auch in Zukunft erleben, sondern sogar nutzen zu können.
Das Maß an unsere Aktivitäten werden unserer Kinder anlegen – sie müssen mit dem bisschen Natur auskommen, das wir ihnen über lassen.