Mabulu (Mosambik)
Österreich 9. -  22. 6. 2001
mabuluLebenselexier Musik

Mosambik vor einigen Monaten...
Das ganze Land kämpft zum zweiten Mal mit den unvorhergesehenen Fluten. Die Situation ist aussichtslos. Das einzige Mittel gegen die heftigen Regenfälle, die Zyklone und die ständigen Zusammenbrüche des Stromnetzes anzukommen, ist für die Musiker von Mabulu ihre Musik. Jeden Tag trotzen sie dem Wetter, um ins Studio zu gelangen. Und inmitten der Katastrophe produzieren sie wiederum eine fantastische CD, die von der hoffnungsvollen Zukunft ihres Landes und multikultureller Solidarität handelt. Anfang 2000 gegründet, schrieb Mabulu bereits Musikgeschichte. Erstmals wurde eine für den internationalen Musikmarkt produzierte CD in Maputo aufgenommen. Das Debütalbum "Karimbo" und die Konzerte riefen bei der Fachpresse und beim Publikum begeisterte Reaktionen hervor. Und wieder gehen sie einen Schritt vorwärts, wenn sie traditionellen Marrabenta mit afrikanischem Rap und "dance beats" in Verbindung setzen. Durch Rhythmen wie kwela (südafrikanische Penny-whistle Musik) und chimurenga (Tanzrhythmen aus Zimbabwe) entsteht ein beinahe allumfassender Sound des südlichen Afrika. Zukunftsmusik aus Mosambik!
Rosita
Ein Kind wurde im Baum geboren
Ein anderes darunter
Jede Geburt
Ein Moment des Glücks
Lasst uns feiern, singen und tanzen Fluten
Schon wieder Hochwasser in unserem Land
In Beira, Quelimane, Xai-Xai, Inhambane
In Maputo
Die Tiere starben
Die Leute starben
Die Kinder starben
Schon wieder in unserm Land Lisboa Matavel
Rosita ist der Name eines Babys, das zur Zeit der †berschwemmungen im Februar 2000 zur Welt kam. Mabulu arbeitet gerade an ihrem ersten "Karimbo" Album. Ein Jahr später wurde dieser Song für die zweite CD "Soul Marrabenta" aufgenommen. In Mosambik gab es erneut schwere Hochwasser.
Brückenschlag

Musik spielte im mosambikanischen Alltagsleben eine wichtige Rolle: mittels Musik werden Erfahrungen von einer Generation an die nächste übermittelt; sie hilft Alltagssorgen zu vergessen und Probleme zu bewältigen und ist vor allem in ländlichen Gebieten wegen der dort oft sehr hohen Analphabetenquote ein wirksames Bildungs- und Aufklärungsmittel.
Es ist schon etwas aussergewöhnlich, auf der Bühne zur gleichen Zeit einen jungen Rapsänger und den Schulfreund seines Grossvaters anzutreffen. Der eine ist 23 und während der Jahre des Bürgerkriegs in Moçambique aufgewachsen. Er ist Vertreter der jungen Generation, die geprägt vom amerikanischen HipHop, in selbstgeschriebenen Texten Besorgnis und Sehnsucht beschreibt. Der andere, Lisboa Matavel ist 65 und war schon zu jener Zeit populär, als Moçambique noch portugiesische Kolonie war und der Lourenço Marques-Sound nicht nur im südlichen Afrika einen guten Ruf genoss.
Die grossen Namen der Marrabenta-Musik wie Francisco Mahecuane, Lisboa Matavel, Xidimingwana, Alberto Mhula, Alexandre Langa oder Dilon Djindji leben heute in der gleichen Nachkriegsarmut, die sie in ihren Bairros umgibt. Wehmütig berichten sie von den heissen Nächten der vierziger und fünfziger Jahre in den Bars des damaligen Lourenço Marques, das eine Hochburg und Touristenattraktion war für die Musik aus dem Südlichen Afrika.
Der älteste noch lebende Marrabenta-Musiker, der 73jährige Dilone Djindji begleitet nun Mabulu auf ihrer Europa-Tournee 2001. Er war maßgeblich an den Aufnahmen der gerade veröffentlichten neuen CD "Soul Marrabenta" (TUG CD 1024) beteiligt. Jahrzehntelang lieferte er sich mit dem jetzt 65jährigen Lisboa Matavel heftige Duelle um den Thron des "King of Marrabenta". Nun arbeiten sie in diesem Projekt zusammen und propagieren Respekt und Verständnis zwischen Generationen und Menschen.
Den Zuhörenden fällt es immer schwerer, ihren Stories Glauben zu schenken, weil die einst so Legendären heute nicht einmal eine noch brauchbare Gitarre besitzen, um ihre Lieder anzustimmen. Da liegt die Befürchtung nah, dass sie ihre musikalischen Erfahrungen und ihre Lieder mit ins Grab nehmen, zumal die moçambiquanische Nachkriegsjugend heute in starkem Masse Einflüssen ausgesetzt ist, die alles andere als die Vermittlung mosambikanischer Musikkultur zum Inhalt haben und Musikunterricht bereits vor Jahren abgeschafft wurde.

Hier schlägt Mabulua eine Brücke zwischen Musikern verschiedener Generationen. Die Texte sind selbstgeschrieben: Geschichten, die vom Alltagsleben berichten, aber auch Liebe, Arbeitslosigkeit, Drogen, Aids und Kriminalität thematisieren. Dabei wird mit grossem Erfolg ein Dialog mit dem Publikum hergestellt. mabulu on stage
Besetzung:
 
Chonylvoc
Dilone Djindjivoc
Lisboa Matavelvoc
Antonio Marcosgit
Eduardobass
Chiquitovoc rap
Zocogit
Jorgitodrums


Marrabenta -  der Rhythmus Moçambiques
Marrabenta ist im wahrsten Sinne Volksmusik. Marrabenta symbolisiert nicht nur Tanz- und Lebensfreude der Menschen im Süden Moçambiques. Musik ist in Moçambique auch zentraler Bestandteil des Alltags und der kulturellen Identität.
Wie kaum ein anderer Musikstil aus der reichhaltigen Fülle traditioneller moçambiquanischer Rhythmen symbolisiert Marrabenta die Tanz- und Lebensfreude der Menschen im Süden Moçambiques. Wer einmal Moçambique besucht hat, spricht davon, als wäre es ein Schlagwort in Sachen Musik aus dem Südlichen Afrika, und oft kommt Bedauern zum Ausdruck, dass es leider an qualitativ guten Hörproben mangelt. Bei dieser überaus grossen Popularität der im wahrsten Sinne Volksmusik Marrabenta sollte man annehmen, dass dieser Musikstil im Panorama der Weltmusik längst seinen festen Platz gefunden hat, wie auch in Plattenläden, internationalen und lokalen TV- und Rundfunkprogrammen, Musikfestivals etc. Doch weit gefehlt: Marrabenta ist nur einigen wenigen Musik-Insidern bekannt und offenbart in trauriger Weise die kritische Situation, in der sich die Musik aus Moçambique befindet.

Promusic
Gerade beim friedlichen Wiederaufbau des Landes kommt der Musik eine wichtige Rolle zu, denn sie dient angesichts der hohen Analphabetenquote auch heute noch als Mittel der Bildung und Aufklärung. Die Texte bieten soziale Orientierung für die im Krieg aufgewachsene junge Generation.
Nach dem jahrelangen Krieg und jetzt nach den Fluten gibt es kaum Instrumente, Arbeitsmittel oder Aufnahmemöglichkeiten. Musikunterricht fehlt, ebenso Kenntnisse über Autorenrechte und den Musikmarkt. Die Helvetas-Partnerorganisation Promusic unterstützt die Musiker in Form eines Selbsthilfeprojekts. Promusic gibt ein Monatsjournal heraus, bietet Nutzung eines Musikarchivs, Internet-Zugang und rechtliche Beratung, organisiert Workshops, theoretische und praktische Ausbilungskurse, bringt Unterstützung mit Instrumenten, Lehrmitteln, Notenheften, und fördert Darbietungen in abgelegenen Gebieten sowie die Bildung von Interessengruppen.
Damit die legendären Marrabenta-Musiker -  viele von ihnen sind schon sehr alt oder besitzen nicht einmal mehr eine brauchbare Gitarre -  ihre Erfahrungen und Lieder an die junge Generation weitergeben können, werden nun regelmässig Auftritte und Gespräche in den Quartieren organisiert.


kulturen in bewegung/vidc
kulturen bewegen. Im Süden wie im Norden.
kulturen in bewegung im vidc ist eine Veranstaltungs- und Servicestelle für integrative Kulturprojekte mit Künstlerinnen und Künstlern aus Afrika, Asien und Lateinamerika. kulturen in bewegung setzt sich für die verstärkte Zusammenarbeit mit sozialen und kulturellen Bewegungen ein.
Bei den Projekten stehen drei b im Mittelpunkt:
bühne für professionelle Kunst- und Kulturevents
bildung für begleitende entwicklungspolitische Informationspakete
begegnung für den persönlichen Austausch
Info-Line: 01/713 35 94/92
www.vidc.org/kultureninbewegung
email: kultureninbewegung@vidc.org

Mosambik-Österreich (Partner für Eine Welt)
Seit der Unabhängigkeit von der portugiesischen Kolonialmacht 1975 durchlebte Mosambik lange Jahre des Krieges. Nach dem Friedensschluß wurden alle Angstrengungen zur Demokratisierung der Gesellschaft und zum wirtsschaftlichen Wiederaufbau des Landes unternommen. Die Flutkatastrophe im Februar 2000 und erneute starke Regenfälle im heurigen Jahr bedeuteten einen großen Rückschlag für das Land: Hunderte Tote, zerstörte Infrastruktur und Nahrungsmittelprobleme waren die Folgen. Seit 1992 ist Mosambik Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium.
Vor fünf Jahren wurde dort ein regionales Büro der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit eingerichtet, das auch eine wichtige Rolle bei der Koordination der internationalen Wiederaufbaumaßnahmen nach der Flutkatastrophe spielte. Die eigentliche Aufgabe des Koordinationsbüros besteht vor allem darin, die Programme und Projekte in den Bereichen Demokratieentwicklung, Landwirtschaft, Wasserversorgung und - entsorgung sowie Klein- und Mittelbetriebsförderung gemeinsam mit mosambikanischen Partnern zu entwickeln und abzustimmen.
Mosambik zählt zwar zu den ärmsten Ländern der Welt, aber es ist unglaublich reich an kultureller Vielfalt und kreativer Menschen.

Österreich im Juni 2001...
Von 9. -  22. Juni bringt Mabulu mosambikanisches Lebensgefühl nach Österreich.
Die Termine
  9. Juni: Wien, Uni Campus/Altes AKH, Süd-Wind Fest, 19.00 h
12. Juni: Wien, B 72, Mosambik Special Dancehall Party
      Live: Mabulu & Guests, ab 22 h
      DJs Hossi Minh & Rebel ............ Eintritt 100,-- (ermässigt) 80,--
13. Juni: Vorchdorf -  Workshop -  Musikschule 11h
                 Konzert -  Kitzmantelfabrik 20h
15. Juni: Bad Ischl -  Siriuskogel 20 h
20. Juni: St. Martin/Mühlkreis -  Sonnwendfeier/Sunnseitn-Treffen in der Steinarena Plöcking
21. Juni: Linz - Workshop International Schule 11.00 h
-  Konzert Schloß 19.00 h
22. Juni: Goldegg -  Schloß, 20 h
Vor und nach den Konzerten in Österreich spielt die Gruppe auf rennomierten Festivals wie Musiques Métisses in Angoulème, Afropfingsten in Winterthur, Womad-Reading (GB), Sfinks-Festival (Belgien) u.a.

Links:
www.vidc.org
www.mabulu.org
www.bmaa.gv.at
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